MAKE THEATER GREAT AGAIN!

Auf die Gefahr hin, dass das jetzt vielleicht niemand wirklich lesen will, möchten wir an dieser Stelle den Abszess am Hintern thematisieren – aus aktuellem Anlass quasi. Abszesse sind keine lustige Sache. Die Behandlung ist schmerzhaft, der Heilungsprozess oft langwierig. Und je nach Ausprägung ist ein operativer Eingriff, inkl. Installation einer Drainage, unumgänglich. Denn die Schwierigkeit besteht darin, dass sich neues Gewebe bilden und gleichzeitig der Unrat abfliessen können muss, damit die eben verheilende Wunde nicht wieder vereitert und das ganze Prozedere von vorne beginnt. Hinsetzen geht in dieser Zeit nicht. «United we stand» ist daher das Gebot der Stunde all der rekonvaleszenten Leidensgenossen. «Mag sein, aber muss das unbedingt im Editorial eines Theaters stehen?» Die Frage ist natürlich absolut berechtigt und kann getrost mit «Ja» und «Nein» beantwortet werden. Womit wir beim Kern des Problems angekommen wären.

Stein des Anstosses für diesen Aphorismus war ein netter Herr Kulturredaktor, der in einer Diskussion auf die Frage hin, weshalb kaum mehr Theaterkritiken abgedruckt werden, antwortete: «Ihr müsst halt Theaterprojekte machen, die WIRKLICH eine Relevanz haben! Wir können nicht länger über Dinge schreiben, die nur von lokaler Bedeutung sind! Das interessiert heute niemanden mehr, die Leser nicht und auch die Journalisten nicht – und ist auch markttechnisch gar nicht vertretbar! Und sowieso gibt es nichts Langweiligeres und Spiessigeres als den üblichen Kulturjournalismus!» Sinngemäss: Herkömmliche Theaterkritiken sind für’n Arsch, weil sie eh niemand liest. Voilà, wo er recht hat, hat er wohl recht. Zumindest, was seine Klientel von der «Weltwoche» betrifft. Kulturjournalismus soll demnach nicht über Kulturevents berichten, sondern soll selbst dieser Kulturevent sein. Das geschriebene Wort als Entertainment – und das Theater bloss noch als Aufhänger zur literarischen Selbstverwirklichung; als eine dem Zeitgeist verp ichtete Dreckschleuder, die ihre Subventionen dahingehend rechtfertigt, dass sich ihre zeitgemässen Konsensabsonderungen zu handlichen Rezeptionsergüssen formen und als nachhaltig mehrheitsfähige Verkaufsschlager vielseitig ausschlachten lassen.

Wobei das natürlich ehrlich gesagt eine ziemlich kurzsichtige Sichtweise ist, dass lokale Ereignisse keine überregionale Relevanz besässen. Weil nämlich, wenn man einen Abszess nicht behandelt, weil man die eigene Schattenseite lieber verdrängt, dann wuchert sein ungesundes Material in den ganzen Organismus hinein. Also muss auch ein Kopfmensch wohl oder übel die Relevanz der Funktionstüchtigkeit seiner Ausscheidungsorgane anerkennen – oder eben: das Theater als notwendige redundant Drainage zur Absonderung hausgemachten Unrates und zur Verhinderung einer überregionalen Vereiterungsvergiftung akzeptieren und wertschätzen.

Und so ist auch diese ganze Relevanzdiskussion, die von bürgerlicher Seite her jüngst so leidenschaftlich bewirtschaftet wird, das Jammern über unverschämte oder unverständliche Theaterproduktionen, eigentlich wahnsinnig kurz gedacht. Zum Beispiel von jener Zürcher Gemeinderätin, die neulich in einer Kulturdebatte sagte, sie habe ein Stück gesehen, dass ihr gar nicht gefallen habe – in dieses Theaterhaus gehe sie daher sicher NIE MEHR. Oder unsere Freunde von der Partei der untergehenden Sonne, die alle Theater schliessen wollen mit der Begründung: «Es gibt in Zürich eben keine Theater für uns und unsere Themen!» Wo ist denn da die Logik? Es käme einem Abszess-Patienten ja auch nicht in den Sinn, gegen die Drainage zu sein, weil sie sich nicht mit den Fraktionsbeschlüssen der eigenen Partei in Einklang bringen lässt oder weil sie schmerzt.

Aber vielleicht lohnt es sich ja, wenn wir an dieser Stelle die Fäkalgleichnisebene für einen kurzen Moment verlassen und uns wieder darauf fokussieren, dass man den Unrat ja nur deshalb zum Ab iessen bringen will, damit dadurch wieder etwas Schönes und Wertvolles und Lebensbejahendes entstehen kann.

Und so finden wir, nebst dem Umstand, dass die populistischen Volksverblöder uns dankbar sein sollten, dass wir für sie die Kanalreinigung übernehmen, müssten auch wir ihnen eigentlich dankbar sein, dass sie uns so konstant mit ergiebigem Material beliefern.

Und in diesem Zusammenhang kommen wir nicht umhin, Donald Trump, dem ollen Schweinigel und Frauen- und Minderheitenversteher, für all das zu danken, was er uns so an Inspiration zukommen lässt. Denn du, lieber Donald, sorgst mit dafür, dass uns die Themen auch in den kommenden vier Jahren ganz sicher nicht ausgehen werden.

Und allen anderen, die sich noch damit schwertun (womit auch immer), rufen wir zu: Steht zur Scheisse, die ihr produziert! Steht zu euren Leiden! Und steht zu euren Drainagen! Keep on rockin’ and make Theater great again!

Silvie von Kaenel, Michael Rüegg, Michel Schröder

2017

Januar

Ausgespielt.

Februar

25 Sa 20.00 Uhr Les Mémoires d’Helène The Beast In You (PDF) Letzte Vorstellung Tickets

März

7 Di 09.15 Uhr Company MAFALDA Vicky setzt Segel (PDF) Premiere, Schulvorstellung
8 Mi 09.15 Uhr Company MAFALDA Vicky setzt Segel (PDF) Premiere, Schulvorstellung
9 Do 09.15 Uhr Company MAFALDA Vicky setzt Segel (PDF) Premiere, Schulvorstellung
11 Sa 15.00 Uhr Company MAFALDA Vicky setzt Segel (PDF) Öffentliche Vorstellung Tickets
12 So 14.00 Uhr Company MAFALDA Vicky setzt Segel (PDF) Kindersonntag, ab 4 Jahren Tickets
18 Sa 20.00 Uhr Anna Frey Selber schuld (PDF) Premiere
Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF)
Tickets
19 So 18.00 Uhr Anna Frey Selber schuld (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
21 Di 20.00 Uhr Ueli Bichsel und Marcel Joller Kunz Die Lufthunde (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
22 Mi 20.00 Uhr Ueli Bichsel und Marcel Joller Kunz Die Lufthunde (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
23 Do 20.00 Uhr Anna Frey Selber schuld (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
24 Fr 20.00 Uhr Anna Frey Selber schuld (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
25 Sa 20.00 Uhr Anna Frey Selber schuld (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
26 So 18.00 Uhr Anna Frey Selber schuld (PDF) Letzte Vorstellung
Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF)
Tickets
28 Di 20.00 Uhr Ueli Bichsel LOG. (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
29 Mi 18.00 Uhr Circus Theater Federlos No Condition is permanent (PDF) Dokumentarfilm
Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF)
Tickets
29 Mi 20.00 Uhr Ueli Bichsel LOG. (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
30 Do 18.00 Uhr Circus Theater Federlos XHAWULA – SHAKE HANDS (PDF) Dokumentarfilm
Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF)
Tickets
30 Do 20.00 Uhr Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo NICHTSNUTZ (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
31 Fr 20.00 Uhr Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo NICHTSNUTZ (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets

April

1 Sa 20.00 Uhr Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo NICHTSNUTZ (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
1 Sa 21.30 Uhr FEDERLOSBAND Co Streiff / Tommy Meier / Marco von Orelli / Ben Jeger / Christian Kuntner / Fredi Flükiger (PDF) Konzert
Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF)
Tickets
2 So 14.00 Uhr Peter Rinderknecht Portofino Ballade (PDF) Kindersonntag, ab 7 Jahren
Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF)
Tickets
2 So 18.00 Uhr Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo NICHTSNUTZ (PDF) Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF) Tickets
2 So 20.00 Uhr The Brugal Han Sue Lee Tischhauser / Flo Götte / Marco Raoult / Andi Wettstein (PDF) Konzert
Ueli Bichsel Superstar-Festival (PDF)
Tickets
25 Di 20.00 Uhr Theater HORA GOTT (PDF) Premiere Tickets
27 Do 20.00 Uhr Theater HORA GOTT (PDF) Tickets
28 Fr 20.00 Uhr Theater HORA GOTT (PDF) Tickets
29 Sa 20.00 Uhr Theater HORA GOTT (PDF) Tickets
30 So 20.00 Uhr Theater HORA GOTT (PDF) Letzte Vorstellung Tickets

Impressum / About

Leitung
Silvie von Kaenel, Michael Rüegg, Michel Schröder

Team
Sandra Schudel, Nathalie Kuhn

Team Kindersonntage
Deborah Imhof, Sebastien Disch

Adresse
Fabriktheater Rote Fabrik
Seestrasse 395
CH-8038 Zürich

+41 44 485 58 28

Textredaktion
Fabriktheater Rote Fabrik Zürich

Konzept, Gestaltung und Programmierung
Studio Roth&Maerchy, Zürich